Finale Open Air



Fechten ist eine typische Hallensportart und findet häufig unbeachtet von der Öffentlichkeit in kleinen Turnhallen statt. Dass es so nicht sein muss, zeigten am Sonntag die Fechter des Fechtclub Radebeul beim großen Finale ihres 2. Radebeuler Fechtcups vor dem Hotel „Goldener Anker“ in Radebeul. Umrundet von unzähligen Zuschauern fanden die Finalgefechte im Degen auf einer Bühne mitten in Radebeul-Altkötzschenbroda statt. Während der Gefechte erklärte Trainer Robert Peche dem interessierten Publikum die Regeln und Aktionen auf der Finalbahn. Die Zuschauer hatten die Möglichkeit, auch selbst einmal eine Maske zu tragen und den (Plaste-)Degen zu schwingen.

Seit den Morgenstunden waren über 70 Fechter aus ganz Deutschland in der Elbsporthalle in den Wettkämpfen zugange. Für internationales Flair sorgten die Fechter der TU Dresden, die zum Teil aus Frankreich und Russland stammten. Für das  Finale "Open Air" qualifizierten sich nur die beiden Besten jeder Altersklasse. Zunächst sahen die zahlreichen Zuschauer die Finalkämpfe der Kreis-, Kinder- und Jugendsportspiele (KKJSS).  Im Herrendegen der Jugendaltersklasse konnte sich Peter Kluge vom Fechtclub Leipzig gegen Merlin Borowiak vom Dresdner Fechtclub mit 15:12 durchsetzen. Im Anschluss siegte die Leipziger Schülerin Henriette Neumann hauchdünn mit 15:14 gegen Juliane Liebstein aus Bautzen.

Zum absoluten Krimi geriet das Herrendegenfinale des Fechtcups. Im Duell um den begehrten Pokal standen sich die international erfahrenen Fechter Manuel Erdmann und Maximilian Bergner vom SC Berlin gegenüber. Im vereinsinternen Duell führte Erdmann fast bis zum Schluss, doch dann konnte Bergner zum 14:14 ausgleichen und sich auch den Siegtreffer zum 15:14 sichern. "Dies war schon hochklassiges Fechten, da konnten die Zuschauer mal sehen, wie es beim Fechten zugeht" sagte der zweite Vorsitzende des Fechtclubs Enrico Borowiak.

 

Dann endlich stand auch eine Fechterin vom Fechtclub Radebeul auf der Planche. Mit Synke Loleit hatte sich eine junge Dame des lokalen Fechtvereins für das Finale gegen die Vorjahressiegerin Deborah Schmidt aus Dresden qualifiziert. Unter der Anfeuerung des Publikums gelangen ihr einige gute Aktionen, aber am Ende musste sie sich der starken Dresdnerin vom DFC mit 15:8 geschlagen geben.

Foto: Synke Loleit Fechtclub Radebeul

 

Schon am Samstag hatten die Gefechte in den Florettwaffen stattgefunden. "Das Flair in der Elbsporthalle war wunderbar und alles war sehr gut organisiert" lautete das Fazit vieler Teilnehmer und deren Eltern. Bei den Kindern und Jugendlichen standen die Kreis-, Kinder- und Jugendsportspiele auf dem Programm. "Für viele Kinder ist dies der erste Wettkampf, sie legen hier ihre Anfängerprüfung ab und werden demnächst auf Wettkämpfen in ganz Sachsen unterwegs sein" sagte der Radebeuler Fechttrainer Robert Peche. "Aber auch etablierte Fechter müssen sich hier der neuen Konkurrenz stellen" fuhr er fort. Diese brisante Mischung sorgte dann auch für Hochspannung an und neben der Fechtbahn. Tränen, Freudenschreie und lauter Jubel begleiteten die Wettkämpfe. Wie es im Fechten so ist, lagen Sieg und Niederlage oft sehr dicht beieinander.

Zum absoluten Highlight wurden die Finalgefechte der Kids auf der extra aufgebauten Hochbahn. Umrahmt vom johlenden Publikum konnte sich als Erstes Isabella Lindner im Damenflorett der Bambinis (2003 und jünger) gegen Constance Hohenstein (beide vom Fechtclub Radebeul) durchsetzen. Bei den jüngsten männlichen Teilnehmern sorgte Fabian Carl von der Artos Fechtschule Dresden für eine Überraschung, als er das Finale gegen Patrick Wolf vom Fechtclub Radebeul mit 8:7 knapp für sich entschied.

Im Damenflorett der Schülerinnen kam es zum Duell der Radebeuler Schülerinnen Millie Williams und Luise Escher. Beide hatten sich über den Tag gegen die Konkurrenz behauptet und trafen nun erstmals in einem Finale aufeinander. Die Linkshänderin Millie ließ ihrer Freundin wenig Chancen und siegte am Ende deutlich mit 10:3.

Zum spannendsten Duell kam es im Herrenflorett. Hier ging der Radebeuler Fechter Arwen Borowiak gegen Fritz Rauschenbach aus Oschatz an den Start. Beide Fechter kennen sich aus den sächsischen Ranglistenturnieren, in denen beide ganz oben mitfechten. Kurz vor Ende des Duells stand es 8:8. Als Arwen den vorentscheidenden Treffer zum 9:8 erzielte, jubelten die Zuschauer. Sein nächster Treffer konnte also die Enstcheidung bringen. Als der Treffer dann auf der Seite des kleinen Radebeulers angezeigt wurde, tobte die Halle. Arwen holte sich den Sieg und die Herzen der Zuschauer.

 

Neben den kleinen begaben sich auch die großen Stars beim Radebeuler Fechtcup an den Start. Im gemischten Wettbewerb für Damen- und Herrenflorett der Aktiven gingen 16 Fechter/-innen ins Rennen. Bekannteste Fechterin des Turniers war dabei die Jenaerin Marike Wegener, die aktuell im Bundeskader des Deutschen Fechterbundes ist und vor zwei Monaten an den Juniorenweltmeisterschaften in Jordanien teilgenommen hatte. Sie ließ es sich auch nicht nehmen, bis ins Finalgefecht vorzudringen. Hier stand sie dem Leipziger Rainer Fehse gegenüber. Trotz seiner jahrelangen Wettkampferfahrung und eines gehörigen Altersunterschiedes von fast 15 Jahren zu seiner jungen Gegnerin konnte sich Fehse, der auch als Trainer aktiv ist, nicht durchsetzen. Am Ende siegte die Jenaer Sportschülerin mit 15:12 gegen den Altmeister aus Leipzig.

"Wir haben ein tolles Turnier erlebt. Über 140 Fechter waren am Wochenende am Start. Ein Dank an alle Sponsoren und Helfer, ohne die ein solches Turnier nicht möglich gewesen wäre" sagte der Vereinsvorsitzende Hubert Peche zum Abschluss der zweitägigen Veranstaltung.

Robert Peche (13.06.2011)

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