Challenge Wratislavia 2014



Dieses Turnier ist so, wie es sein sollte. Die Challenge Wratislavia ist mein Lieblingsturnier. Hier spüre ich warum ich Trainer bin. Hier fühle ich was ich als Sportler geliebt habe an diesem Sport und was ich vermisse. Schon im Eingangsbereich stehen mehrere Fechtausrüster, eine Kantine, ein Stand für Süßwaren. Ich folge den Gängen hinein in den Bauch der Eishockeyarena. Schon von Weitem höre ich das Klirren der Klingen, das Summen und Piepsen der Fechtbahnen. Dann stehe ich in der "Orbita", einer riesigen Eishockeyhalle mit Plätzen für tausende Zuschauer und im Rund des Eisfeldes liegen die Fechtbahnen, steht die Finalbahn mit der großen Wandtafel, wovor sich alle Sportler und Trainer gerne fotografieren. Die Halle ist eigentlich nicht so voll, aber für Fechten ist es sehr voll. Über mir die Flaggen der Nationen, der riesige Bildschirm zeigt Bilder der Challenge 2013. Neben mir, vor mir, überall Fechter und Trainer. Ihre Trainingsanzüge, Armbinden und Fechtanzüge sagen mir woher sie kommen- CZE, POL, RUS, GBR, EGY- aus aller Welt. Ich habe das Gefühl, ich bin bei den Olympischen Spielen. In jeder Altersklasse über 150 Fechter, täglich 500 Fechter.

Aktion vor und neben der Planche

Bei der Anmeldung erhalte ich ein  Plakat, einen Teilnehmerausweis und ein Programmheft. So sollte ein Turnier sein, denke ich. Ich gehe durch die Halle, tauche ein in das Gewühl der Fechter, Trainer und Eltern. Schon in der Vorrunde spüre ich etwas, was ich in Deutschland oft vermisse. Die Fechter kämpfen, sie schreien und reißen sich beim Sieg die Maske vom Kopf. In Ihren Augen steht der unbedingte Wille zum Sieg und die Bereitschaft, von Anfang an alles zu geben. Ich folge den dünnen Pfaden zwischen den Fechtbahnen, die eng aneinander liegen. Überall erwärmen sich Kinder, fechten sich ein, werden lektioniert. Ich schaue mir die Lektionen der Trainer an. Wie sie ihren Schützlingen Mut zusprechen und letzte Hinweise vor dem großen Turnier geben. Überhaupt die Kinder. Die Jüngsten die mir begegnen scheinen so 7 Jahre zu sein, die Ältesten wirken schon fast erwachsen. Wenn die Großen im Kampf stehen, fechten sie auch schon fast wie Erwachsene. Ich schaue mir die Beinarbeit an, sehe mir das Spiel ihrer Klingen an und versuche zu erfassen, welche Absicht die Fechter haben. Ich komme nicht dazu den Gedanken zu halten, dann fällt der Treffer. Von weitem sehe ich die Wettkampfleitung. Vier bis fünf ältere Herren, gebeugt über mehrere PC´s. Die Durchsagen in Polnisch, Französisch, Englisch, manchmal Deutsch, oft Russisch. Die Stimme braust durch die Halle und bei den vielen Sprachen hat man zunächst Schwierigkeiten, überhaupt etwas zu verstehen. Mein Ohr gewöhnt sich von Mal zu Mal besser an die Ansagen. Ich erreiche die Bahn auf der meine Fechterin dran ist. Ihre Runde ist international. Kein Land, außer Polen, kommt zweimal vor. Es ist etwas anderes, gegen eine Russin zu gewinnen, als gegen Fechter aus Bad Hintertux oder Lautersheim. Meine Fechterin verliert nur zwei Gefechte. Ich bin stolz, denn sie ist zum ersten Mal hier und da weiß man ja nie, wo man so steht. Auf dem Weg auf die Tribüne wo wir sitzen, beginnt die Eröffnungsfeier. Alle Fechter versammeln sich auf der Finalbahn. Der Bürgermeister von Wroclaw spricht, eine Olympiasiegerin. Leider nur auf polnisch. Dann singt ein Chor. Freude schöner Götterfunken auf auf polnisch. Dann eine Art Hymne auf Wroclawianie, den Ausrichterverein. Ich kann kein polnisch, aber es klingt schön.

Eröffnungsfeier

Das Turnier geht weiter und meine zweite Fechterin gewinnt alle Gefechte in der Vorrunde. Als Erste geht sie in den 128er Direktausscheid. Ich träume vom Sieg. Sie zieht durch und kommt ins 32er. Gegen eine Finnin verlieren wir 9:10. Denkbar knapp. Zwei Sekunden vor Schluss, macht die Finnin den Punkt. Meine Fechterin kann nichts mehr tun, verliert und weint. Ich versuche es mit Fassung zu nehmen, doch auch mir ist klar, dass es eine große Chance war. Aber so ist Fechten. Meine Fechterin lernt ihre Lektion.

Am dritten Tag in der Halle. Meine Degenfechter waren gut die letzten beiden Tage. Platz 41 von über 170 ist doch gut. Mehr war nicht drin. Heute steht Herrenflorett an. Hier ist jeden Tag eine Waffengattung dran. Florett ist für mich die emotionalste Waffe, vielleicht weil es mehr subjektive Empfindungen gibt. Selbst wenn die Lampe an ist, bedeutet es nichts, bevor der Kampfrichter den Treffer gibt. Entsprechend muss Überzeugungsarbeit geleistet werden. Schreie, Diskussionen und Psychologie. Eine kleine Regeländerung macht das Florett noch spannender in meinen Augen. Die Kampfrichter sagen spät halt, manchmal sehr spät. Nahkampfsituationen in allen Altersklassen. Die Akrobaten dominieren den Nahkampf. Man muss wissen wo die Spitze ist und wo sie hin soll in dieser engsten Mensur. Ein ehemaliger Sportler von mir wird am Ende des Tages gewinnen. Er war nur zum Üben bei uns damals. Der Junge war ein Naturtalent, besonders im Nahkampf. Das bringt ihm den Sieg . Natürlich ist er auch schnell, antizipiert die Bewegungen des Gegners und reagiert intuitiv richtig. Ein Siegertyp ist er auch.

Ein Verein aus der Slovakei gefällt mir am allerbesten. Alle tragen rote Jacken und feuern ihren Fechter lautstark an. Vielleicht dreißig Leute schreien und fiebern mit. Ich spüre die Emotionen und errinere mich an meine Zeit als Fechter. Dieses Gefühl der Letzte aus dem Verein zu sein, der noch siegen kann. Wie alle dir Kraft geben und dich siegen sehen wollen. Dieses Gefechte auf der Welle, wenn man seinen Körper nicht mehr spürt und nur noch FECHTEN fühlt. Wenn man plötzlich Aktionen bringt, derer man sich nicht bewusst war. So muss der Slovake sich grad fühlen. Er kommt bis ins Halbfinale, liegt 2:10 hinten und verliert 13:15. Das Gefecht ein einziger Krimi und trotzdem jubeln alle am Ende und freuen sich über Bronze.....Ich freue mich über Gold für den Jungen, der auch mal in meiner Halle kämpfte. Irgendwie habe ich doch Anteil denke ich. Er jubelt mit seinen Trainern aus Berlin. Später gebe ich ihm die Hand und gratuliere ihm. Nach zwei Tagen ist es das erste Edelmetall für Deutschland. Einmal Silber und einmal Bronze kommen noch hinzu im Florett. Meine Fechter sind ganz gut gewesen, aber ohne Chance auf Medaillen. Russen, Polen und Letten sind heute zu stark. Wir müssen noch viel trainieren. Dann die Siegerehrung, Es gibt Glaspokale, Preise und einen Händruck. Dann wird es dunkel. Zu "WE ARE THE CHAMPIONS" von Queen steigt ein Idoorfeuerwerk. So sollte ein Wettkampf sein......

Bilder vom Turnier:



Bilder von der Challenge Wratislavia 2014

 

Radebeuler Platzierungen:


17.Platz Julie Jouaux Damendegen

22.Platz Patrick Wolf Herrenflorett

33.Platz Lina Wemme Damenflorett

41.Platz Elias Engeln Herrendegen

43.Platz Nadine Michel Damendegen

52.Platz Cora Elisabeth Schaller Damenflorett

102. Platz Julien Wolf Herrenflorett

104.Platz Julie Jouaux Damenflorett

120.Platz Isabella Lindner Damenflorett

129. Platz Leona Vogel Damenflorett

171.Platz Richard Kaiser Herrendegen

Makus Praus (ehemals Halle und Radebeul) gewinnt für Berlin-Wittenau. Trainiert wird er beim SC Berlin.