52. Weißer Bär von Berlin



Vom 25. bis 26. Februar 2012 veranstaltete der FC Grunewald Berlin im Horst-Korber-Sportzentrum den "52. Weißen Bären", ein großes Internationales Herrendegeneinzelturnier.

Von den ursprünglich 284 gemeldeten Teilnehmern aus 33 Nationen fanden sich 242 Teilnehmer in Berlin ein. Sascha Reimer und Frank Rahde (ich) wagten uns als die Führenden in der internen  Vereinsrangliste 2011 in die "Höhle des weißen Bären". Wir wollten unseren Fechtklub würdig vertreten und herausfinden, wo wir leistungsmäßig stehen. Immerhin trat auch die deutsche Nationalmannschaft geschlossen bei dem Turnier an. Für die günstige Startgebühr von 15 € nutzten wir die seltene Chance, uns mit den Besten der Welt zu messen.




Es gab am Samstag eine große Vorrunde (40 Gruppen), eine Zwischenrunde für die 168 Weiterkommenden (mit mind. 2 Siegen und gutem Index) sowie den ersten Direktausscheid für die 130 Qualifizierten. Am Sonntag standen dann die 128/32er Direktausscheidungen sowie das Finale an. Ich erlebte ein hochprofessionell durchgeführtes und gut organisiertes Turnier. Es war beeindruckend zu sehen, wie 24 Bahnen zugleich in dieser großen, lichtdurchfluteten Halle mit voller Tribüne ausgelegt waren. Die moderne Anzeigetechnik war vom Feinsten. Der stete Sound von sich kreuzenden Klingen und Freuden- bzw. Wutschreien mancher Fechter erzeugten eine besondere Geräuschkulisse. Überall hingen die Flaggen der Nationen, adrett gekleidete Profikampfrichter standen an den Bahnen und offizielle Vertreter von Landesverbänden sowie Trainer schauten sich die Gefechte an.

Mein Wecker klingelte am Samstag mit 04:45 Uhr relativ früh. Wir mussten beizeiten vor Ort sein, damit unsere Namenszüge noch auf die Rückseite der Fechtjacken aufgenäht werden konnten. Die Kennzeichnung war nämlich Pflicht. Meine Freundin Cathleen begleitete mich und schaffte diese Aufgabe in einer geschlagenen Stunde und bei einer verschlissenen Nadel (Vielen Dank dafür). Leider scheiterten Sascha und ich schon in der Vorrunde, wobei wir gern zwei oder mehr Vorrunden gehabt hätten, denn kaum hatten wir unseren Respekt abgeschüttelt und "Blut" gerochen, war unser Einsatz (1,5 Stunden) auch schon wieder vorbei.


Sascha gewann zumindest eines seiner fünf Gefechte und belegte Platz 221. Ich hingegen musste fünf Niederlagen einstecken und wurde mit dem 240. Platz fast Letzter. Uns war klar gewesen, dass es sehr schwer werden würde, die Vorrunde zu überstehen. Bei wenigen Kurzgefechten auf fünf Treffern ist derjenige im Vorteil, der es besser versteht, die Handlungen des Gegners schnell auszulesen und die Erkenntnisse sofort in wirkungsvolle Aktionen umzusetzen. Unsere Devise war im Vorfeld, eher defensiv zu fechten und den Gegner kommen zu lassen. Doch unsere technische Unterlegenheit und fehlende Abgeklärtheit verhinderten ein Vorwärtskommen. Es wäre gelogen, meine schlechte Platzierung darauf zu schieben, dass ich mich davor drücken wollte, bei starker Leistung am Sonntag wieder anreisen zu müssen.

Ich habe viel gelernt in diesem Turnier. Mich tröstet der Eindruck, dass ich durchaus ein bis zwei Gefechte hätte gewinnen können. Losglück und Lospech liegen manchmal eng beieinander. Dabei hatten wir erwartungsgemäß in unseren Gruppen nicht die stärksten Gegner. Das Anschauen einiger Zwischenrundengefechte namhafter Degenfechter wie des Niederländers Bas Verwiljen (aktueller Vizeweltmeister und Weltranglisten-Erster) und des deutschen Nationalspielers Jörg Fiedler (Weltranglisten-Vierte und Teilnehmer an den Olympischen Spielen in London) gab mir Gelegenheit, meinen Fechtstil mit anderen zu vergleichen und Anregungen mit nach Hause zu nehmen. Natürlich bin ich während meiner Begegnungen auf der Planche auf ein paar Schwächen (zu statisch, wenig Variabilität, unsaubere Klingenführung, mangelnde Cleverness) aufmerksam geworden.

Ich hatte trotz der herben Niederlagen meinen Spaß: es war Tanken von Motivation und führte überraschenderweise dazu, offiziell beim Deutschen Fechter-Bund gelistet zu werden (siehe Biografie), wenn auch mit Null Punkten :-). In meiner Fechtbiografie, die bisher einzig die Teilnahme an einer DDR-Meisterschaft aufzuweisen hatte, fehlte einfach dieses Event. Ich will nächstes Jahr wieder teilnehmen und es besser machen.

Übrigens hat der Leipziger Jörg Fiedler (GER) die Trophäe des Bären aus Porzellan am Finaltag gewonnen, vor  Adrian Pop (ROM) und den beiden Drittplatzierten Frederic Peignet (FRA) und Jewgeni Makiyenko (UKR) (siehe Presse).

Hier noch ein Blick in jeweils eines unserer Vorrundengefechte. So kann sich jeder ein Bild vom Wettkampf machen (Videos):

Frank



Sascha




Bericht von Frank Rahde