Degenrasseln wie zu Urzeiten!



von Frank Rahde

Einige Mitglieder des Fechtclub Radebeul, allen voran Enrico und Sascha, hatten vor einigen Wochen die Idee, mal draußen im Sand zu fechten, z. B. am Elbstrand oder an der Ostsee. Begonnen hatte alles mit einem Foto eines anderen Fechtclubs von zwei leuchtend weißen Fechtern in den Dünen, das uns sehr gefiel. Schnell war das "I. Sächsische S(tr)andfechtturnier" in Cossebaude, einem schönen Strandbad, geboren. Am 27.08.2011 ging es über die Bühne. Über 20 Fechter und Fechterinnen aus Sachsen (Radebeul, Dresden, Bautzen, Leipzig und Oschatz) fanden den Weg an einem wolkenverhangenen Samstag zum Kampfort (siehe auch hier).

Es wurde ein Beach-Fußballfeld gemietet, die Turnierverwaltungstechnik (Enrico haute wegen der Nässe auf dem Beifahrersitz in die Tasten des Laptops) aufgebaut und los ging es! Fechten wie zu Urzeiten: im Freien, im "Dreck", bei Regen, mit viel Raum! Ich hätte nicht gedacht, dass das Wetter einigermaßen hält. Als Ausweichmöglichkeit bot sich die Trainungshalle des FCR an, aber Enrico war zurecht zweckoptimistisch. Die 18 Grad Celsius im Schatten (lach) sorgten dafür, dass wohl niemand so recht ins Schwitzen kam. Hätten wir am heißeren Vortag gefochten, wäre es in einer Quälerei ausgeartet. Wir, besser gesagt der fleißige Enrico (!), hatten am Morgen 2 viereckige Karees (8x8 Meter) im Sand abgesteckt. Als ich gegen 09:40 Uhr eintraf, war alles schon bereit!

Die Meisten trauten sich barfuß in die Sandfelder; nur ein paar Wenige (das war die Ausnahme) behielten die Socken an - es sah bescheiden aus. Ich fand es angenehm im kühlen Sand, meine Füße fassten so ganz nebenbei ein kostenloses Peeling ab. Wir nutzten mobile Trefferanzeigegeräte ("Pieper"), die optisch und akustisch arbeiteten. Dennoch brauchten wir einen Obmann und 2 bis 4 Linienrichter. Es galt, die beiden unterschiedlichen Töne ("Eh, war das jetzt der hellere oder dunklere Ton?") für die beiden Fechter herauszuhören und auch noch zu entscheiden, welcher Ton zuerst ertönte. Das jeweils am Gesäß aufleuchtende grüne Mini-Lämpchen war nicht wirklich zu erkennen, wenn die Kämpfer im Eifer des Gefechts ihre Seiten tauschten. Bestimmt gab es ein paar Fehlentscheidungen, die sich im Turnierverlauf aber ausgeglichen haben dürften.

Das rechteckige, großzügige Kampfgebiet erlaubte den Fechtern, sich wie Gladiatoren zu umkreisen und der Sand ließ Stürze ohne Probleme zu. Wenn mal jemand die Markierung übertrat, wurde dies nicht mit einem Straftreffer geahndet (gut so!). Ich beobachtete eher die Jugendlichen dabei, wie sie filmreif einander belauerten und umrundeten, ja, sogar im Feld herumtanzten. Jungs müssen natürlich herumspinnen, um aufzufallen. Sah lustig aus. Unser Nachwuchs führte seinen Wettkampf selbständig durch, weil wir Erwachsenen größtenteils mit uns selbst beschäftigt waren. Die Jugendlichen hatten ein wenig Probleme damit, so schien es mir, fair und entspannt die Treffer zu vergeben. Sie nahmen das Turnier viel ernster als die Älteren. Es gab nach dem Turnier im Facebook erstaunlicherweise übertriebene Selbstkritik auf Seiten der Oldies: "Bei den Jugendlichen war das Niveau noch da, das hat aber zu uns Großen tschüß gesagt" (Paul) und "Du hast Dein bestes dazu beigetragen, dass es nach der Ersten Runde so absackte, wir dann auch" (Heiko in Erwiderung darauf).

Der Wettkampf aus meiner Sicht: In meiner Vorrunde (es gab parallel eine zweite für die andere Hälfte der Erwachsenen) hatte ich 6 Gefechte zu je  3 Treffern zu gewinnen. Das grenzte ein wenig an Lotterie, aber das Glück war mir hold. Dadurch ergatterte ich das einzige Freilos für den Direktausscheid und griff erst in die Runde der besten Acht ein. Mit solch einem guten Start hatte ich gar nicht gerechnet, ich wollte einfach dabei sein und eine neue Erfahrung machen. In den K.O.-Runden wurde dann auf 8 Treffer gefochten, was angemessener war. Am Anfang dachte ich, das Fechten im schweren Sand würde schnell auf die Kondition gehen, aber da irrte ich mich. Ich nutzte das "Sandpolster" gelegentlich für irre Sturzangriffe, ohne mich dabei nennenswert zu verletzen. Wie sonst hätte ich den Wettkampf gewinnen sollen?! Die Stimmung unter den Fechtern war ausgelassen, keiner sah seine verlorenen Gefechte verbissen, es ging fair und humorig zu. Dazu passte, dass keiner der Ausgeschiedenen das Finale mitverfolgte, sondern lieber duschte oder sich abseits im Trockenen amüsierte. Vereinskamerad Mirko, der nur aufgrund seines Urlaubes teilnehmen konnte, und ich zogen unseren Endkampf sofort im Anschluss an das Halbfinale durch, weil starker Regen einzusetzen schien. Er verlor klar, was uns beide zu der Theorie verleitete, dass die kleineren und leichteren Fechter, die ja meist auch schneller sind, leichte Vorteile hatten. Da hätte Enrico, der leider aufgrund seiner Organisationsaufgaben nicht mitfechten konnte, bestimmt gewonnen! Mirko meinte: "Ich kam so schnell nicht in den Rückwärtsgang, wie ich bei Dir hätte gehen müssen". In der Tat ist er auf der Planche ein weitaus unangenehmerer Gegner!

Die Siegerehrung geriet denkwürdig: Es gab viele Medaillen, die schon im Vorfeld heiß begehrt waren. Bei den Jungen gab es dann eine witzige Verwechslung von Silber und Gold, aber es dürfte Benjamin nicht gestört haben, dass ihm die eben überreichte Silbermedaille entzogen wurde, weil er eigentlich Gold erzielt hatte. Ich lachte in mich hinein, als ich beobachtete, dass das Aufrufen der Platzierten von hinten nach vorn eine Eigentümlichkeit produzierte. Der Applaus nahm vom letzten bis zum ersten Platz stetig ab, weil die Aufgerufenen durch ihre Urkunden am Klatschen gehindert waren (lach). Als ich vorkam, herrschte fast Stille (übertrieben gesagt!).

Das Ambiente des Bades war perfekt: Gepflegte Rasenflächen, Stromversorgung, saubere Duschen und WCs in unmittelbarer Reichweite, Dächer zum Unterstellen bei "Regenangriffen", großer Grill und extra geöffnete Wasserrutsche. Es wurde gebadet, gegrillt, geplaudert - und sogar gefochten. Alles für nur 10 Euro - was will man mehr?! Das "Spaßturnier" bleibt mir in schönster Erinnerung. Ich ärgerte mich hinterher nur ein wenig darüber, dass ich das Baden und Rutschen ganz vergessen hatte! Durch das kühle, unbeständige Wetter kamen natürlich so gut wie keine Gäste ins Stauseebad. Das wird sich bestimmt nächstes Jahr zur Wiederauflage des Events ändern! Aber es ging uns primär nicht um Werbung für unsere Sportart, sondern wir wollten Spaß haben mit  den ungewohnten Regeln und ungebremstem Kampfgeist.

Ich danke allen, die sich NICHT nach Cossebaude trauten (Sascha, Jakob), die mich gewinnen ließen (Stephan), die nicht unbedingt im Degen gewinnen mussten (Heiko, Holm) und die aufgrund der Auslosung nicht gegen mich antreten durften (Ulf, Jens). Lasst Euch gesagt sein: Ich war nicht unbedingt der Beste, nur der Schnellste und Hektischste (hihi). Sand sei Dank!

Hier zum Schluss noch zwei kurze Gefechte der Frauen und Männer: